Interview mit Eveline Breitwieser-Wunderl (März 2026)

Eveline Breitwieser-Wunderl managt Vielfalt in der Arbeitswelt
Interview mit Mag. Eveline Breitwieser-Wunderl: Die gebürtige Kremsmünstererin managt bei der Porsche Holding in Salzburg Vielfalt und Inklusion und setzt Impulse rund um die neue Arbeitswelt.
Wer sind Sie und wann haben Sie Kremsmünster verlassen, um einen eigenen Weg zu gehen? Welche Ausbildung haben Sie? Gab es einen inneren Antrieb?
Eveline Breitwieser-Wunderl: Ich bin als Enkelin im Gasthaus Rottensteiner/zu den drei Pinzgauern aufgewachsen und mit 7 Jahren mit meinen Eltern in die Neuhofstraße gezogen. Nach dem Besuch der Volksschule in Kremsmünster, absolvierte ich das Gymnasium in Schlierbach, wo ich 1992 maturierte. Danach Studium Anglistik und Amerikanistik sowie die Fächerkombination aus Psychologie Philosophie und Pädagogik an der Universität in Salzburg mit Abschluss 1999. Heute wohne ich in Bayern im Landkreis Rosenheim.
In die Automobilindustrie kam ich durch Zufall. Ich schrieb meine Diplomarbeit und arbeitete nebenbei als Assistentin des Vertriebsleiters bei smart in Salzburg. Die Marke war damals neu, jung und aufstrebend. Das hat mich angesprochen. Danach sollte ich eigentlich mein Probejahr am musischen Gymnasium in Salzburg starten, aber es kam anders: der damalige Geschäftsführer von Mercedes-Benz Salzburg bot mir eine Stelle als Marketingleiterin bei der Firma Pappas/Mercedes-Benz Salzburg an. Das war der Startpunkt meiner Karriere in der Automobilbranche.
2001 wechselte ich zu Porsche und war bis 2012 Marketingleiterin für die Porsche Bank AG. Von 2012-2014 war ich für den Personalbereich der Porsche Bank AG verantwortlich und stieg 2016 nach einer Karenzpause (Geburt meiner Zwillinge) im Trainingsbereich wieder ein. 2018 wurde die Stelle innovative Arbeitswelten und Diversität Management neu geschaffen, und ich durfte sie übernehmen.
Heute haben Sie als Diversity- und Inclusion-Managerin in einem der größten Konzerne Österreichs, konkret bei der Porsche Holding in Salzburg, eine verantwortungsvolle Aufgabe. Was begeistert Sie daran bis heute?
Eveline Breitwieser-Wunderl: Die Vielfältigkeit. Eine dynamische Stelle, in der ich mit vielen Stakeholdern zu tun habe. Es geht um Kulturveränderung und dafür braucht es: ein breites Wissen über das Geschäftsmodell und die Organisation sowie gute Vernetzung. Dazu das richtige Gespür, wie man die Sache angeht und man die Menschen mitnimmt.
Abgesehen von den verschiedenen Handlungsfeldern, sind wir ein großer Konzern, der in 29 Ländern tätig ist und über 37.000 Mitarbeitende beschäftigt, eingebettet in einen noch größeren Mutterkonzern, die Volkswagen AG. Das internationale Konzernumfeld finde ich besonders spannend.
Was bedeutet Diversity für Sie ganz persönlich – nicht nur als Managementbegriff, sondern im Umgang mit Menschen?
Eveline Breitwieser-Wunderl: Diversität heißt übersetzt Vielfalt und bedeutet für mich den Menschen in seiner Einzigartigkeit zu verstehen. Jeder und jede von uns bringt einzigartige Fähigkeiten mit. Je inklusiver das Umfeld, also je mehr ich mich zugehörig fühle und je höher die psychologische Sicherheit in meinem Arbeitsumfeld ist, desto besser können Menschen ihre Talente entfalten.
Auf Ihrem Berufsweg haben Sie sich in der Wirtschaft behauptet. Gab es eine Herausforderung oder eine Hürde, an der Sie besonders gewachsen sind?
Eveline Breitwieser-Wunderl: Hürden gibt es immer wieder. Ich finde, es geht darum mit welchem Mindset man ihnen begegnet. Ich sehe sie als Wachstumschancen. Besonders prägend war für mich die Zeit des Wiedereinstiegs nach der Elternzeit. Damals gab es noch kein Home Office und keine Führung in Teilzeit. Heute gibt es beides, dazu habe ich im Konzern beigetragen.
Wenn Sie auf Ihre Laufbahn zurückblicken: Welche Werte aus Ihrer Kindheit und aus Ihrer Heimat haben Sie dabei geprägt?
Eveline Breitwieser-Wunderl: Ich habe von meinen Großeltern gelernt, dass alle Menschen die gleiche Behandlung verdienen. Zusammenhalt ist wichtig und Chancen ergreifen, wenn sie sich bieten. Ich war immer heimatverbunden: sowohl zu Kremsmünster, als auch zu Oberösterreich und Österreich. Ich bin stolz auf meine Wurzeln, sie sind meine Superpower.
Wenn man heute auf Ihre Karriere schaut, wirkt vieles sehr beeindruckend – wie viel Mut hat dieser Weg tatsächlich gebraucht?
Eveline Breitwieser-Wunderl: Der Weg entsteht immer dadurch, dass man ihn geht. Ich hatte eine grobe Vorstellung, wollte führen. Alles andere hat sich ergeben, in dem sich mir Chancen geboten haben, die ich ergriffen habe. Für eine Karriere braucht es immer 3 Faktoren: können, wollen und dürfen.
Selbstbewusstsein und Mut sind Tugenden von mir. Wachstum entsteht immer außerhalb der Komfortzone und auch, wenn man noch unsicher ist oder sich etwas noch nicht zutraut: einfach mal machen!
Wenn Sie heute nach Kremsmünster kommen: Was ist das Erste, das Ihnen ein Gefühl von Vertrautheit und Ankommen gibt?
Eveline Breitwieser-Wunderl: Meine Familie, das Elternhaus. Und meine Verbundenheit zum Ort, vor allem zum Stift und auch zu den guten Wirtshäusern. Ich gehe gerne ins Stift zum Spazieren, wenn Zeit ist in eine Messe in die Stiftskirche. Und ich gehe einmal im Jahr ins Theater. Das ist immer ein Fixtermin. Heimat ist Entschleunigung und ein Gefühl von Vertrautheit, zu Hause ankommen.
Was würden Sie jungen Menschen aus Ihrem Heimatort mitgeben, die ebenfalls große Ziele haben?
Eveline Breitwieser-Wunderl: Traut euch groß zu träumen und lasst euch nicht limitieren weder von euren eigenen Glaubenssätzen noch von eurem Umfeld. Jede:r darf das Leben leben, das zu ihr/ihm passt. No limits!
Homecoming-Interview mit Dr. Karin Dietachmayr (Februar 2026)

Seit wann bist du nicht mehr in Kremsmünster – und wie kam es zum „Homecoming“?
Karin Dietachmayr: Beruflich und privat war ich viele Jahre hauptsächlich in Linz zu Hause – seit 2023 bin ich wieder mehr daheim in Kremsmünster. Ich wollte wieder aufs Land und näher an meine Familie. Statt eines Heimkommens auf einmal ist es eher ein langsames Wieder-Andocken: Schritt für Schritt knüpfe ich neue Fäden, erobere vertraute Wege wieder – und treffe nach und nach alte und neue Gesichter, die Kremsmünster für mich ausmachen.
Studium und beruflicher Werdegang – wie hat sich dein Weg entwickelt?
Karin Dietachmayr: Begonnen hat alles bei der Firma Greiner, wo ich nach der Matura in den Finanzbereich eingestiegen bin. Dort habe ich fast fünf Jahre gearbeitet und nebenbei ein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der JKU Linz begonnen.
1999 wechselte ich zur Energie AG Oberösterreich. Zuerst war ich auch hier im Finanzbereich tätig, nach einigen Jahren ging es für mich weiter in neue Aufgaben. Ich habe mich immer mehr damit beschäftigt, wie sich ein großes Unternehmen weiterentwickeln kann, wie man Abläufe verbessert und neue Ideen umsetzt.
Heute bin ich seit über 26 Jahren bei der Energie AG. In dieser Zeit durfte ich viele Veränderungen miterleben und mitgestalten. Besonders wichtig ist mir dabei eines: offen für Neues zu bleiben und den Mut zu haben, Dinge anders zu denken.
Seit Oktober 2023 leite ich den neu gegründeten Bereich für Innovation in der Energie AG. Meine Aufgabe ist es, neue Ideen zu fördern und gemeinsam mit vielen Kolleginnen und Kollegen an Lösungen für die Energiezukunft und Kreislaufwirtschaft zu arbeiten. Zusätzlich bin ich Geschäftsführerin der Wertstatt 8 GmbH, einem Tochterunternehmen der Energie AG, in dem wir neue Geschäftsideen entwickeln.
Neben meiner beruflichen Tätigkeit habe ich 2017 auch mein Doktorat abgeschlossen. In meiner wissenschaftlichen Arbeit habe ich mich damit beschäftigt, wie sich große Unternehmen erfolgreich verändern können – ein Thema, das mich bis heute begleitet.
Persönliches / Fakten – wer bist du „neben dem Job“?
Karin Dietachmayr: Ich mag es, Dinge zu verbinden: Menschen, Perspektiven und „alte“ mit „neuer“ Welt. Und ich glaube sehr daran, dass Fortschritt und Lebensqualität zusammengehen müssen – gerade in Energie- und Umweltfragen. Ich lasse hier Worten auch Taten folgen und forciere die Energiewende und Klimaschutz auch bei mir zu Hause. Gesellschaftliche Entwicklungen interessieren mich sehr und so engagiere ich mich, wenn Zeit bleibt, auch für Geschlechtergerechtigkeit, Nachhaltigkeit, Tiere und Artenvielfalt. Besonders wichtig ist mir auch meine Familie. Ich lebe mit meinen Eltern zusammen und bin stolze Tante und Großtante. Und ich liebe den Garten, auch wenn er viel Arbeit bedeutet.
Dein Beruf in einem Satz?
Karin Dietachmayr: Head of Innovation, Energie AG Oberösterreich – und Geschäftsführerin der Wertstatt 8 GmbH: Ich koordiniere die Innovationsaktivitäten im Konzern und entwickle gemeinsam mit Teams und Partnern neue Lösungen und Geschäftsideen. Es geht darum, offen für Veränderungen zu sein, Neues auszuprobieren und den Menschen gute Energie zu geben.
Was ist Innovation – ganz einfach erklärt?
Karin Dietachmayr: Innovation heißt für mich: aus echten Problemen neue, bessere Lösungen machen – so, dass sie im Alltag funktionieren und Nutzen stiften. Im Konzern heißt das auch: Aktivitäten bündeln, Kooperationen nutzen (z. B. mit Startups) und die passenden Innovationsstrukturen bauen – denn jedes Unternehmen muss diese für sich zuschneiden.
Innovative Lösungen der Energie AG: Was kann ich als Bürger:in davon brauchen?
„Paula“ (LINO Solutions): Ein digitales Assistenzsystem für sturzgefährdete Personen, das anhand von Routinen im Stromverbrauch ungewöhnliche Abweichungen erkennt. Bei Abweichungen erfolgt eine Rückfrage. Bleibt eine Rückmeldung aus, werden die hinterlegten Kontaktpersonen informiert.
„EnergieSparCoach“: Eine Anwendung für Kundinnen/Kunden der Energie AG, um den eigenen Stromverbrauch zu analysieren und gezielt zu optimieren. Aktuell kostenlos zu testen.
„E-Fairteiler“: Eine App + Ökostrom-Tarif, mit dem sich Menschen in Gruppen verbinden und regionalen Sonnenstrom transparent untereinander „teilen“ bzw. verrechnen können.
„ZUSA“: Eine KI-gestützte Nachhaltigkeitsplattform, die mit fundierten Informationen, Inspiration und kuratierten Angeboten dabei unterstützt, leichter nachhaltige Entscheidungen im Alltag und beim Einkaufen zu treffen.
Wenn du an das letzte Jahr denkst, worüber hast du dich besonders gefreut?
Karin Dietachmayr: Da gab es ein paar Dinge, aber das persönliche Highlight war, als ich beim Publikumsvoting vom Startup-Medium brutkasten die Auszeichnung „Innovator of the Year“ in der Kategorie Unternehmensinnovation gewonnen habe und den Preis nach Oberösterreich in die Energie AG holen konnte. Eine große Anerkennung für unser Innovationsteam und alle engagierten Kolleg:innen im Konzern – Innovation ist schließlich keine One-Woman-Show, sondern Teamsport.
Heimat Kremsmünster – was bedeutet das für dich?
Karin Dietachmayr: Heimat ist für mich Erdung und Energiequelle zugleich. Kremsmünster steht für Bodenständigkeit, Lebensqualität, Vielfalt, aber auch für eine große Offenheit gegenüber Neuem und Kultur. Das zeigt sich daran, dass wir die digitalste Gemeinde Österreichs sind, aber auch an außergewöhnlichen Kulturevents wie Figorama oder dem traditionsreichen Theater am Tötenhengst und dergleichen. Kremsmünster ist ein idealer Nährboden für Innovation. Von daher bin ich hier genau richtig.
Besuch von Gerald Englmair (Dezember 2025)

Vor kurzem war Gerald Englmair wieder zu Besuch in seiner Heimatgemeinde Kremsmünster. Er lebt in Kopenhagen und arbeitet als Associate Professor an der Technischen Universität Dänemark (DTU).
Gerald ist vor 10 Jahren aufgebrochen, um als Jungforscher sein Doktorrat an der DTU und an der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking (Aufenthalt: 8 Monate) zu absolvieren. Ursprünglich als Agrar-Ingenieur tätig, besuchte Gerald die Fachhochschule (FH) Wels und studierte Öko-Energietechnik. Nach dem Masterstudium arbeitete er 2 Jahre am Welser Solar-Innovationscenter „AsiC“, welches sich als Sprungbrett für eine international wissenschaftliche Karriere herausstellen sollte.
Forschungsgebiet: Wärme- und Kältespeicher
Heute forscht Gerald an kompakten Wärme- und Kältespeichern, die beispielsweise einen flexiblen Betrieb von Wärmepumpen und Kältemaschinen ermöglichen, etwa für Serverraumkühlung oder solare Kühlung. Ziel ist es, mehr erneuerbare Energien wie Sonnen- und Windstrom über bestehende elektrische Netze nutzen zu können und Wärme bzw. Kühllastspitzen auszugleichen.
Dabei kommen sogenannte Phasenwechselmaterialien zum Einsatz, die bei bestimmten Temperaturen schmelzen/verfestigen und somit eine deutlich höhere Energiedichte als Wasser- oder Thermoöl bieten. Das spart Platz und Gewicht und bringt Kostenvorteile für Gebäude- und Industrieanwendungen.
Einen öffentlichen Einblick in seine Arbeit gab Gerald 2022, als ihn Servus-TV in Dänemark besuchte. International teilt er seine Forschungsergebnisse unter anderem in Expertengruppen der Internationalen Energieagentur (IEA). Außerdem unterrichtet er Wärmepumpen, Solarenergie und Heizsysteme in Kopenhagen sowie am „Arctic Campus“ der DTU in Sisimiut, Grönland und ist Gastvortragender and der KTH in Stockholm.
Heimatverbundenheit
Trotz seiner internationalen Tätigkeit bleibt Gerald seiner Heimat verbunden. Er arbeitet mit österreichischen Forschern zusammen und verbringt seine Freizeit gerne in Kremsmünster, wo er fast 30 Jahre seinen Lebensmittelpunkt hatte. Als ehemaliges Mitglied der FF Irndorf, der Jugendfeuerwehr und der Katholischen Jugend pflegt er sein „Kremsmünsterer-Netzwerk“. Von 2009 bis 2015 war Gerald auch in der Gemeindepolitik aktiv, und hat sich vor allem im Umweltausschuss und bei Bürgerenergieprojekten eingebracht.
Besuche am Stammtisch oder bei Veranstaltungen wie dem Marktfest, der Mostkost oder dem Frühjahrskonzert des Musikvereins gehören für ihn bei jeder Österreich-Reise dazu. Auch mehrere internationale Gäste konnte er bereits von der Schönheit unseres Stiftsortes überzeugen.
Die Verbindung zu Kremsmünster sind natürlich Heimatbesuche bei den Eltern und Verwandten, die Gemeindenachrichten, die auch Kopenhagen erreichen, viele Freunde und: im Sommer das Schwimmen im Freibad.
Auf die Frage von Bürgermeisterin Dagmar Fetz-Lugmayr, ob auch die Gemeinde Kremsmünster von der Expertise des Auslands-Österreichers profitieren könnte, antwortete Gerald Englmair: „Gerne stehe ich meinem Heimatort zur Verfügung, online oder auch in Kremsmünster.
Fakten zu Gerald Englmair:
- Sohn vom „Mauerbauer“ im Schacher
- Forscht und lehrt an der DTU. Aktiv am Dänischen Zentrum für Energiespeicher
- Kalundborg-Refinery Preis 2024 – Dänemark´s ältester Forschungspreis in der Technik
- Sein Sohn Harald ist 6 Jahre alt
- Hobbies: Windsurfen in Dänemark, Schifahren und Bergwandern in Österreich